Geschichte des Teatro Filarmonico
Das Teatro Filarmonico wurde von 1719 bis 1729 auf Betreiben der 1543 gegründeten Philharmonischen Akademie erbaut, in der sich Musikliebhaber zusammengeschlossen hatten. Die Vorsitzenden der Akademie beriefen Francesco Galli nach Verona, der allgemein "il Bibiena" genannt wurde, da er als der genialste Theaterarchitekt galt seiner Zeit galt. Galli schuf in kurzer Zeit einen Entwurf, der sofort gebilligt wurde. Mit den Bauarbeiten wurde der Veroneser Ingenieur Lodovico Perini beauftragt. Das Theater wurde am Abend des 6. Januars 1732 mit Vivaldis Melodrama "La Fida Ninfa" feierlich eingeweiht, dessen Libretto von dem Veroneser Scipione Maffei geschaffen worden war. Der Gedanke, ein neues Theater zu bauen, ging von Scipione Maffei aus, der in der Philharmonischen Akademie eine groáe Rolle spielte. Durch die stqendig zunehmende Beliebtheit der Opern sollte auch in der musikliebenden Stadt Verona ein Theater errichtet werden, das groá genug war, um zahlreichen Besuchern Platz bieten und gleichzeitig auch den entsprechenden Rahmen für gute Aufführungen bilden zu k"nnen. Die Opernspielzeit wurde zum wichtigsten künstlerischen und gesellschaftlichen Ereignis der Stadt. Damen und Herren fuhren in mit Fackeln erleuchteten Kutschen vor und waren bereit, für gute Aufführungen viel Geld auszugeben. In der Nacht des 21. Januars 1749 brannte das Theater nahezu vö:llig ab, da der Graf Spolverini in seiner Loge eine Fackel vergessen hatte. Die Philharmonische Akademie entschied sich daraufhin sofort für den Wiederaufbau, mit dem sie den Architekten Paglia beauftragte, der sich bis ins kleinste Detail an den Entwurf von Bibiena hielt. Das Theater wurde 1754 mit einer Aufführung des "Lucio Vero" wiedereröffnet. Die von dem Portugiesen David Perez nach einem Libretto von Apostolo Zeno vertonte Oper fand jedoch nur geringen Beifall. Erst 1765 kam es mit der "Antigone" zu einer groáartigen Aufführung, die von den Chronisten über alles gelobt wurde. Metastasio hatte das Libretto verfaát, zu dem Giuseppe Sarti da Faenza die Musik geschrieben hatte. Ende des 18. Jhdt. war es zu zwei Aufführungen gekommen, die durch ihre historische Bedeutung erwqehnt werden müssen. Im Mai 1797 konnte die Bevölkerung einer Aufführung kostenlos beiwohnen; diese Entscheidung war gefqellt worden, da im Zeichen der Franzüsischen Revolution der Wunsch nach Freiheit und sozialer Gleichberechtigung zum Ausdruck kommen sollte, der vom Volk mit Begeisterung aufgenommen worden war.

Eine weitere unvergessliche Aufführung fand am 21. Januar 1798 statt. Mit einer Oper und einem Ball wurde die Vertreibung der Franzosen durch die Österreicher gefeiert. Allerdings wurde den Franzosen 1801 mit einem von dem republikanisch gesinnten Grafen Giovanni Pindemonte geschaffenen Drama erneut Tribut gezollt. Der 3. Dezember 1822 war ein gro&szliger Tag für das Theater: anlqeßlich des in Verona abgehaltenen Kongresses der Nationen, der vom Fürsten Metternich geleitet wurde, kam es zur Aufführung der "Cantata per la Santa Alleanza", die von Rossini komponiert worden war. Der Aufführung wohnten der Zar von Rußland, der Kaiser von &OumlOpernspielzeit ;sterreich, der König von beider Sizilien und zahlreiche andere gekrönte Hqeupter bei. In der folgenden Zeit blieb das Theater ganzjqehrlich geöffnet, wobei wqehrend des Karnevals besonders viele Opern gegeben wurden. In den zweihundert Jahren seines Bestehens wurden im Teatro Filarmonico zirka fünfhundert Opern aufgeführt, zu denen Bqelle, Schauspiele, Konzerte und andere Veranstaltungen kamen, die zahlreiche Vertreter aus der Welt der Kunst, Kultur und Politik anzogen. Bei der Besetzung der Rollen hatte man immer auf die besten Sqenger und Schauspieler zurückgegriffen. Wie bereits erwqehnt, wurden die Franzosen Anfang des 19. Jhdt. erneut mit Begeisterung gefeiert. Am 27. November 1807 wohnte Napoleon Buonaparte einer Aufführung im Teatro Filarmonico als Ehrengast bei.

Durch ihr Niveau wurden die Aufführungen auch außerhalb der Stadt allseits gerühmt und gefeiert. In den letzten einhundert Jahren hatte man sich dafür eingesetzt, die Spielzeit zu verlqengern, in der alle Opern der bekanntesten italienischen und auslqendischen Komponisten unter der Leitung der besten Dirigenten und mit den besten Sqengern gegeben wurden. Seit 1898, dem Jahr, in dem die Veroneser Landwirtschaftsmesse aus der Taufe gehoben wurde, begann die Festspielzeit zusammen mit der Messe. Eine liebgewordene Gewohnheit, die der Veroneser Opernverband in den letzten Jahren erneut aufleben liess.

Das Theater wurde am 23. Februar 1945 Opfer eines Bombenangriffes. Am 15. Oktober 1955 gab die Philarmonische Akademie durch ihren damaligen Prqesidenten Alberto Tantini offiziell den Wiederaufbau des Theaters bekannt, ödas dort, wo es sich befunden hatte und, soweit möglich, in seiner ursprünglichen Formö wiederaufgebaut werden sollte. Anschließend wurde der ™ffentlichkeit der geniale vom Architekten Vittorio Filippi geschaffene Entwurf vorgestellt, der sich am Rahmen des Machbaren an die Vorlage des Bibiena gehalten hatte. Der Wiederaufbau ist einer Gruppe von Musikliebhabern und dem mutigen Einsatz der Mitglieder der Philharmonischen Akademie zu verdanken, durch die der Wunsch der Veroneser nach ihrem für das kulturelle und künstlerische Leben wichtigen Theater verwirklicht werden konnte. Durch eine zwischen dem Bürgermeister der Stadt Verona, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Opernverbandes ist, und der Philharmonischen Akademie, als Eigentümerin des Theaters, getroffene Vereinbarung wird das Theater seit 1975 dem Opernverband für Opern, Ballette und Konzerte zur Verfügung gestellt.

Im Herbst 1975 wurde in dem renovierten Teatro Filarmonico "Falstaff, ossia le burle" des aus Legnago stammenden Komponisten antonio Salieri aufgeführt. Mit dieser Aufführung wurden zwei Ziele verfolgt: erstens wollte man die Bedeutung eines Veroneser Komponisten hervorheben, der leider etwas in Vergessenheit geraten war und zweitens mit der Aufführung intimistischer, weniger bekannter Opern beginnen, für die der Rahmen des Teatro Filarmonico besser geeignet ist, als das unermesslich große Oval der Arena.

Aber das Theater ist nicht ausschließlich Opernaufführungen vorbehalten. Hier finden auch Ballette und Konzerte statt, die ebenfalls unverzichtbarer Bestandteil des musikalischen Theaters sind. Damit ist das Teatro Filarmonico zu einem wesentlichen, unverzichtbaren Bestandteilteil des kulturellen Lebens von Verona geworden.


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